WM: 7 Gründe für das Ausscheiden Deutschlands

WM: 7 Gründe für das Ausscheiden Deutschlands

30.06.26 | weltmeisterschaft

Von großer Hoffnung zur größten Turnierenttäuschung – eine detaillierte Analyse zum Weltmeisterschaftstrauma.

Bei der 2:1-Niederlage gegen Ecuador hatte es sich bereits angedeutet: Der zuletzt positive Trend der DFB-Auswahl war bei Weitem nicht genug, um die tief liegenden Risse im Gesamtgefüge zu kitten. Das 4:5 nach Elfmeterschießen im Sechzehntelfinale gegen einen krassen Underdog wie Paraguay schmerzt besonders – noch mehr als die Vorrundenblamagen bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

Und spätestens jetzt ist wohl auch den optimistischsten Stimmen klar: Es wird weit mehr als eine kurzfristig machbare Trendumkehr brauchen. Eher eine völlige Neuausrichtung.

Doch wie konnte es so weit kommen?

🏚️ #1 Auf Sand gebaut

Die Euphorie bei der Heim-EM 2024 und das damalige respektable Abschneiden (1:2 gegen Spanien im Viertelfinale) haben rückblickend einiges vernebelt – etwa die heute noch sichtbaren Tempodefizite im Zentrum und die Ideenlosigkeit im letzten Drittel gegen tief stehende Gegner. 7 Spieler standen sowohl beim Aus 2024 gegen Spanien als auch gegen Paraguay in der Startelf. Das Resultat davon, dass man sich nach dem Turnier zu wenige unbequeme Fragen stellte?

🗣️ #2 Kein Menschenfänger auf der Bank

Julian Nagelsmann ist ein guter Trainer. Auf Klubebene. Als Bundestrainer gelang es ihm aber selten, eine echte Einheit auf den Platz zu bringen. Gerade bei der Kommunikation offenbarte er im Laufe seiner Amtszeit eine gewisse Untauglichkeit – mit dem Comeback von Manuel Neuer samt Wortbruch gegenüber Torwart Oliver Baumann als negativem Höhepunkt.

Seine gewisse Bockigkeit und mangelnde Kritikfähigkeit in Interviews, nun einmal Teil des Bundestrainerlebens, sind außerdem ein eher negatives Indiz dafür, wie es kommunikativ wohl hinter verschlossenen Türen zugeht.

😵 #3 Resilienz adé?

Was fast am meisten Sorgen macht: Der Mythos Deutschlands als Turniermannschaft ist nach dem Aus im Elfmeterschießen endgültig gebrochen. Dass gleich 3 gestandene Profis – Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah – in dieser nervlichen Extremsituation scheiterten, macht zusätzlich Sorgen. Für den (wohl neuen) Bundestrainer wird vor allem die Arbeit auf mentaler Ebene im Fokus stehen müssen.

🩹 #4 Fehlende Kaderbreite

Der verletzungsbedingte Ausfall von Nico Schlotterbeck als einzigem linksfüßigen Innenverteidiger war Pech – aber es gab Zeiten, in denen Deutschland solche unvermeidbaren Rückschläge noch eher kompensieren konnte. Auch im Sturm fehlt einfach der klassische Knipser, auch wenn Deniz Undav durchaus vielversprechende Ansätze zeigte.

🧩 #5 Kimmich

Der Kapitän ist das perfekte Sinnbild für die verzweifelte Suche nach einer Identität. Hätte er im Zentrum mehr bewirkt als auf der defensiven Außenbahn, wo er gerade mit jungen Tempobolzern wie Yan Diamonde (beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste; Anm.) seine liebe Nothat? Vielleicht. Aber man kann es Nagelsmann nicht verübeln, Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović als jüngeren Spielern das Vertrauen zu schenken. DieSchlüsselübergabe muss früher oder später erfolgen – und schon 2024 war man zu sehr von einem Routinier wie Toni Kroos abhängig.

🚨 #6 Die krasse VAR-Fehlentscheidung

Dass das Schiedsrichtergespann der DFB-Elf in der 102. Minute den regulären Führungstreffer zum 2:1 durch Jonathan Tah aberkannte – noch dazu nach Ansicht der Videobilder –, war ein unentschuldbarer Fehler. Maximales Pech also. Allerdings bringt sich das Team immer wieder in Situationen, in denen ein einzelner, nicht planbarer Aspekt ausreicht, um das Gesamtkonzept entscheidend ins Wanken zu bringen.

🤔 #7 80 Millionen realitätsfremde Bundestrainer?

Ohne Zweifel wird es Konsequenzen und Rücktritte geben – neue Spieler, wahrscheinlich auch einen neuen Trainer. Und dann? Es muss auch in den Köpfen der Fans ankommen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Deutschland selbstverständlich auf Weltklasseniveau agierte. Und es wird Geduld brauchen, viele kleine Schritte, um gemeinsam wieder eine Euphorie entfachen zu können.

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