Die Ära Klopp: 7 Thesen über die DFB-Revolution
Fußball-Deutschland ist tot. Lang lebe Fußball-Deutschland!
Nach der deutschen WM-Misere, die – abgesehen vom Wettspaß – einiges vermiest hat, deutet inzwischen nahezu alles darauf hin, dass Jürgen Klopp die Zukunft des DFB formen wird. Wie das konkret aussehen könnte? Hier sieben Thesen dazu.
#1 Heavy Metal
Wenn die Ära Nagelsmann eines bewiesen hat, dann Folgendes: Der DFB hat zumindest aktuell nicht das Spielermaterial für einen dominanten Ballbesitzfußball. „Koppo“ steht im Kontrast dazu für Vollgas, Gegenpressing und blitzschnelles Umschaltspiel – Tugenden, die vor allem über das Kollektiv kommen.
Warum genau das funktionieren könnte? Vielleicht, weil es den Säulen Florian Wirtz und Jamal Musiala die Last nimmt, auf engem Raum immer mit individuellen Glanzleistungen den Unterschied machen zu müssen. Mit Spielern wie Saïd El Mala (dynamische Pressing-Maschine) oder Lennart Karl (Umschaltbeschleuniger mit Pässen in die Tiefe) drängen zudem einige Talente nach, die sich nahtlos in die Spielidee Klopps einfügen könnten.
#2 Menschenfänger
Jürgen Klopp steht für Kompetenz, ist dabei aber trotzdem nahbar – eine Persönlichkeit, die ein breites Publikum begeistert. Nicht umsonst verdient er Millionen mit Werbepartnerschaften und wird regelmäßig als TV-Experte angefragt. Julian Nagelsmann ist ebenfalls ein außergewöhnlich kompetenter Trainer, doch ihm fehlt es an Charisma. Auf Klubebene mag sich das kompensieren lassen, auf Nationalmannschaftsebene wird es deutlich schwieriger – insbesondere dann, wenn der Erfolg ausbleibt, wie wir schmerzvoll lernen mussten.
#3 Leistungskultur, kein Bonus
Klopp fackelt nicht lang. Wer im Training nicht konsequent mitzieht, sich zu lang auf Lorbeeren ausruht oder einen negativen Ruf mitbringt, hat es unter diesem Trainer schwer. Mario Balotelli (wurde von Klopp bei Liverpool aussortiert) ist dafür ein prominentes Beispiel. Auch Robert Lewandowski kann in Sachen Leistungskultur Geschichten erzählen: Klopp setzte ihn in seinem ersten Dortmunder Jahr aufgrund spielerischer Defizite zunächst als Zehner ein. Darüber war Lewandowski anfangs alles andere als glücklich. Rückblickend zeigte er sich für diese lehrreiche Phase jedoch äußerst dankbar.
#4 Falsche Neun? Eher nein
Klopp bevorzugt physisch starke Angreifer, die Räume reißen und Bälle festmachen. Womöglich keine guten Nachrichten für Kai Havertz, dafür aber vielleicht für Nick Woltemade – oder Max Moerstedt, sofern der 20-Jährige in Hoffenheim einen gewaltigen Entwicklungsschritt macht.
#5 Nachwuchsarbeit als Priorität
Er hat es schon in kürzlich gegebenen Interviews angedeutet: Unter Klopp ist wohl eine einheitliche, moderne Spielphilosophie zu erwarten – von der A-Nationalmannschaft bis hinunter zur U15. Er wird also nicht nur das A-Team im Fokus haben.
#6 Brust-raus-Mentalität
Ja, Nagelsmann hat auf Klubebene durchaus Erfolge vorzuweisen. Doch eine der prägendsten Trainerpersönlichkeiten des modernen Fußballs zu sein, ist ein anderes Kaliber. Klopps Strahlkraft allein könnte gerade im mentalen Bereich Wunder bewirken, wenngleich er auf dieser Ebene noch einiges an Arbeit vor sich haben dürfte.
#7 Echte Rückendeckung
Dass Rudi Völler DFB-Sportdirektor bleibt – vor allem, weil Klopp es so möchte –, ist das richtige Zeichen. Keine Schuldzuweisungen für vergangene Fehler, sondern ein gemeinsamer Neuanfang des Verbands, bei dem auch die langjährige Erfahrung Rudi Völlers geschätzt wird. Genau so setzt man ein starkes Aufbruchssignal.
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